Arbeit kann Integration gelingen lassen: Bündnisgrüne Stadtratsfraktion setzt auf Freiwilligkeit und ein durchdachtes Konzept

[Halle (Saale), 22. September 2026] Die Stadtverwaltung hat angekündigt, Arbeitsgelegenheiten für Asylsuchende und Geduldete künftig flächendeckend und verbindlich anzubieten. Die Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN teilt das Anliegen, Asylsuchenden den Weg in Arbeit zu erleichtern, setzt dabei aber auf Freiwilligkeit statt Verpflichtung. Ein tragfähiges Konzept für das Vorhaben ist bislang zudem nicht erkennbar.

„Arbeit kann viel zur Integration beitragen. Sie gibt dem Alltag Struktur und bringt Menschen miteinander in Kontakt“, sagt Fraktionsvorsitzende Melanie Ranft. „Viele Asylsuchende möchten arbeiten und sich in unsere Stadt einbringen. Diese Bereitschaft sollten wir mit guten Angeboten aufgreifen. Motivation entsteht durch Tätigkeiten, die als sinnvoll erlebt werden und durch eine erkennbare Perspektive, nicht durch die Androhung von Leistungskürzungen.“

Damit Arbeitsgelegenheiten tatsächlich zur Integration beitragen, müssen sie aus Sicht der Fraktion gut durchdacht sein. Bislang ist weder klar, welches Ziel die Stadt genau verfolgt, noch, woran sie den Erfolg messen will. Entscheidend ist dabei auch, welche Tätigkeiten angeboten werden. Werden Menschen überwiegend für einfache Hilfsarbeiten wie das Einsammeln von Müll eingesetzt, vermittelt das wenig Wertschätzung und bietet kaum Gelegenheit, die deutsche Sprache im Alltag anzuwenden. Sinnvoll sind Einsatzfelder, in denen Menschen mit anderen ins Gespräch kommen, vorhandene Fähigkeiten einbringen und neue erwerben können.

„Wenn die Arbeitsgelegenheiten dem Spracherwerb dienen sollen, braucht es Begleitung“, so Ranft. „Dazu gehören feste Ansprechpersonen in den Einsatzstellen, fachliche Anleitung und eine enge Verzahnung mit Sprach- und Integrationskursen. Ohne diese Begleitung bleibt der Integrationsanspruch ein Versprechen auf dem Papier.“

Die Fraktion erwartet deshalb, dass die Verwaltung dem Stadtrat ein schriftliches Konzept vorlegt, das Ziele, Einsatzfelder, Auswahlkriterien und die Begleitung der Teilnehmenden beschreibt. Darüber hinaus soll das Programm von Beginn an evaluiert werden. Die Verwaltung soll regelmäßig berichten, insbesondere dazu, wie viele Menschen teilnehmen und wie vielen anschließend der Übergang in Ausbildung oder reguläre Beschäftigung gelingt. „Wer Integration ernst meint, muss Menschen echte Chancen eröffnen“, so Ranft abschließend. „Dazu gehört ein Konzept, das zeigt, wie aus einer Arbeitsgelegenheit eine solche Chance werden kann. Wir werden die Umsetzung aufmerksam begleiten und darauf achten, dass das Programm diesem Anspruch gerecht wird.“

Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 9…
Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90 /…